| |
| URSPRÜNGE
UND GESCHICHTE DES BALSAMESSIGS AUS MODENA |
Balsamessig
ist seit undenklichen Zeiten mit der Kultur und Geschichte
von Modena verknüpft. Denn sein Bestehen ist auf
die besonderen Boden- und Klimaverhältnisse des Gebiets,
vereint mit dem Geschick, dem Wissen und der Kompetenz
des Menschen, zurückzuführen, die in einer gelungenen
Verschmelzung ein exklusives Produkt hervorgebracht haben,
das die Gebiete der heutigen Provinzen von Modena und
Reggio Emilia (also dem frühren Herzogtum von Este)
auszeichnet.
In Modena gab es schon immer verschiedene Sorten von Essig
aus Traubenmost, was durch die Entwicklung unterschiedler
Rezepte und Methoden für die Zubereitung und Lagerung
bedingt ist.
Der Ursprung dieser Produkte geht auf die Tradition der
alten Römer zurück.
Der Begriff “Balsamico” ist ziemlich jung.
Er wird zum ersten Mal 1747 (1)
in den Registern der herzoglichen Inventare am
Hof der Este von Modena erwähnt, und wahrscheinlich
entstand der Name durch seine damalige Verwendung als
Heilmittel (2)
Mit der Gründung des Italienischen Staats (1860)
regte sich durch die Belebung der Märkte immer mehr
Interesse am Balsamessig, nicht zuletzt durch bemerkenswerte
geschichtliche und bibliografische Forschungen über
dieses Produkt, das, als die geheimen und strengen Ritualien
seiner Herstellung zögernd preisgegeben wurden, unweigerlich
einen großen Erfolg erzielte.
Als 1839 Herzog Giorgio Gallesio, ein damals durch sein
bedeutendes Werk über Baumzucht “La Pomona
Italiana” berühmter Gelehrter, anlässlich
seines Besuchs auf der Residenz seines Freunds Herzog
Salimbeni von Nonantola die Trauben- und Weinsorten im
Modenaer Gebiet studierte, war er dermaßen vom Essigspeicher
der Familie seines Freunds beeindruckt, dass er sich in
seiner erweckten Neugier einige Tage lang intensiv mit
den Herstellungstechniken befasste.
Seine handgeschriebenen Notizen, die 1993 in Washington
in den USA (3)
aufgefunden wurden, sind das älteste „technische“
Dokument, denn darin wird das Produktionsreglement des
Essigs in Modena erläutert. Als erster beschreibt
er die Essigsorten und teilt sie gleichzeitig in zwei
Kategorien auf: die aus reinem, eingekochtem Traubenmost
und die aus “gegärtem Most und gemachtem Wein“
gewonnenen. Die ersten definierte er als “außerordentlich”,
die zweiten als “auch vortrefflich”.
Ende des 19. Jahrhundert hatte der Balsamessig aus Modena
auf den wichtigsten Messeveranstaltungen sein Debüt
und weckte nicht nur auf einheimischem Boden, sondern
auch im Ausland großes Interesse.
In verschiedenen Unterlagen wird von Essig, der aus Traubenmost
und Weinessig, bisweilen auch mit kürzeren Gärverfahren
und Zugabe von Gewürzen hergestellt wird, gesprochen
(4).
In jenen Jahren beginnen auch die ersten wissenschaftlichen
Studien über die auf dem Markt gebrachten Produkte.
(5)
Der bekannteste Hersteller war damals Giuseppe Giusti,
bis heute ein aktives Mitglied des Consorzio Aceto Balsamico
di Modena, dessen Familientradition in der Herstellung
von Balsamessig aus Modena bereits seit 1605 bezeugt ist
und wovon die Teilnahmebescheinigungen an zahlreichen
Messen und Ausstellungen erhalten geblieben sind.
Die erste gesetzliche Regelung durch eine Ministerialgenehmigung
zur Produktion von "Aceto Balsamico del Modenese"
geht auf das Jahr 1933 zurück.
1965, mehr als dreißig Jahre danach, erließ
der D.P.R. (Beschluss des Präsidenten der italienischen
Republik) Nr. 162 vom 12.02.65, der die Bestimmungen für
die Betrugsbekämpfung bei der Zubereitung und Vermarktung
von Weinen, Traubenmosten und Essigen regelt, definitiv
die Vorschriften für Essige und Säfte von säuerlichen
Früchten und genehmigte die ‘Legalisierung’
besonderer Qualitätsbezeichnungen für Essige,
die mit speziellen Techniken und Vorschriften hergestellt
werden, wie "Aceto Balsamico di Modena".
1965 gelangte man zur Abfassung eines im Amtsblatt vom
12. Dezember 1965 veröffentlichen Reglements über
die “Eigenschaften der Zusammensetzung und Zubereitungsart
des Balsamessigs von Modena” (6)
1994 mobilisierten sich die Produzenten, um sowohl das
Produktionsreglement als auch vor allen die korrekte Verwendung
der Bezeichnung im Handel und Konsum zu schützen
und zu verbessern.
Dieses Engagement, das in erster Linie die Einhaltung
der durch die stets fairen örtlichen Bräuche
auferlegten Verhaltenskodexe anstrebte, führte schließlich
zur Produktionsnorm, die das Consorzio Aceto Balsamico
di Modena verwahrt.
Derzeit befasst sich das Consorzio Aceto Balsamico di
Modena mit der Registrierung der g.g.A. (Geschützte
Geografische Herkunftsangabe) dieses erlesenen Essigs,
der durch seinen hervorragenden Ruf oft Gegenstand einer
unfairen Konkurrenz in Handel und Konsum ist.
|
| |
‘Register
der Weinlesen und Weinverkäufe von 1747 für
die geheimen Kellereien, Staatsarchiv. |
| |
Gioacchino
Rossini in einem Brief an seinen Freund Angelo Castellani:
‘…etwas Modenaer Essig mit seiner bewährten
erfrischenden und balsamischen Wirkung ließ
innerhalb kurzer Zeit wieder ein wenig Gesundheit
und Ruhe einkehren …’. |
| |
Giorgio
Gallesio, 1839, Handschrift. |
| |
Geminiano
Grimelli, 1857 „Balsamesig, schnell auf bekömmliche
und wirtschaftliche Weise zubereitet dank der Methode
von Prof.G.Grimelli“ |
| |
Prof.
Fausto Sestini ‘Gli Aceti Balsamici del Modenese’
1863, Vortrag von Dott. Antonio Mascolo im Mai 2002
anlässlich einer Versammlung der Accademia
Italiana dell’Aceto Balsamico Tradizionale
di Modena. |
| |
D.M.
<Ministerialerlass> vom 12. Dezember 1965. |
|
|
|
|